Skip to content

Von statischer Datendarstellung zum interaktiven Informationsdesign

by - 16. August 2015
Abbildung 3: Wohnungseinbrüche in Deutschland 1999 - 2013. Chart mit dynamischer Legende, Screenshot aus der Webapplikation

Abstract

Datenvisualisierung, Visual Storytelling und Data Exploration sind wichtige Methoden, um gutes interaktives und erlebbares Informationsdesign zu entwickeln. Anhand der Applikation „Wohnungseinbrüche in Deutschland“ wird dargelegt, wie aus statischen Daten erlebbare Informationen mit hoher Interaktivität werden und damit Wissen und Verständnis effizient vermittelt werden kann. Zusätzlich wird erläutert, mit welchen Layoutmaßnahmen sich mehrere Informationsabschnitte zu einer kohärenten Webpage zusammenbinden lassen.

Kontext

Dies ist der zweite Artikel in meiner Folge, in der ich Webapplikationen analysiere, die im Rahmen meiner LV Multimediales Informationsdesign 2014/15 von Studenten am FB Online Medien erarbeitet wurden und die sich durch gutes, interaktives und zeitgemäßes Informationsdesign auszeichnen.

Innerhalb der studentischen Projekte sollten Inhalte aus Printberichten nicht nur in das Medium Web überführt und eine medienadäquate Benutzerführung entwickelt werden. Darüber hinaus sollten die Studenten die Inhalte mittels aktueller Webtechnologien visualisieren und interaktiv erlebbar machen. In der hier präsentierten Arbeit mussten dazu die im Printbericht vorhandenen Daten ausgewählt und eine neue Informationsarchitektur erarbeitet werden musste.

Innerhalb eines gegebenen Zeitraumes von 10 Wochen wurden die interaktive Webapplikation sowohl konzipiert als auch in einem funktionierenden Prototypen umgesetzt. Dieser Prototyp wird in diesem Artikel betrachtet.

Eckdaten zur prototypischen Applikation  „Wohnungseinbrüche in Deutschland“

  • Die prototypische Applikation ist hier aufrufbar. [Quelle 1]
  • Sie ist für die aktuellen (2014/15) Versionen der Browser FF, Chrome, IE, Safari optimiert
  • Ihr liegt das Kapitel „Thema aktuell: Wohnungseinbruchdiebstahl“  der als Printbericht publizierten „Polizeiliche Kriminalstatistik 2013“ [Quelle 2] zugrunde.

Adaptives One-Page Design als Layoutgrundlage

Die studentische Gruppe wählte aus der Datenmenge fünf Themen, deren Datenumfang entsprechend auf fünf Abschnitten darzustellen sind. Hinzu kommen die das Thema einleitende Startseite, eine Abspann-Seite und ein Impressum. Die gesamte Website, also die Summe aller einzelnen Abschnitte, ist als One-Pager mit einer konstant vorhandenen Navigationsleiste geschickt gestaltet, so dass der User sie sowohl linear durchscrollen kann als auch mittels der Navigation einzelne Themen direkt ansteuern kann. Nebenbei wird mittels kontrollierter Scroll-Transition erlebbar gemacht, dass der einzelne Abschnitt Teil einer einzigen Seite ist.

Screenshot 1: alle Screens der Applikation

Abb. 1: Alle Abschnitte des One-Pagers „Wohnungseinbrüche in Deutschland“

Ein Vorteile des entwickelten Screendesigns ist, dass immer nur die Informationen des jeweiligen Themas betrachtet werden. Aus UX-Sicht wird dabei zum einen die kognitive Last für den Nutzer durch das Ausblenden nicht-relevanter Information begrenzt. Zum anderen wird die Website als eine Zusammensetzung verschiedener Seiten wahrgenommen, obwohl sie technisch und interaktionsdesignerisch eine einzige Seite ist. Dazu trägt wesentlich das adaptive Design bei, das den Hintergrund des jeweiligen Abschnitts formatfüllend an die jeweilige Monitorgröße anpasst und den Inhalt vertikal und horizontal zentriert. All diese designerischen Maßnahmen wurden mittels jQuery und fullpage.js umgesetzt.

Von statischer Datendarstellung zum interaktiven Informationsdesign

Führen wir uns vor Augen, was das Ausgangsmaterial der studentischen Gruppe war: ein PDF mit umfangreichen Tabellenwerken, durchsetzt mit einigen Charts und interpretierenden Texten, die Schwerpunkte in den umfangreichen Daten setzen und zusammenfassend interpretieren. Der vorwiegende Charakter aus Sicht des Kommunikationsdesigns ist der einer strukturierten Datensammlung. Alles durchaus lesbar für das Printmedium gesetzt; aber nicht geeignet, um den Leser zu motivieren, sich mit dem Kommuniziertem intensiver zu befassen. Der Bericht wirkt eher wie: „Wir haben eine Pflicht, die Öffentlichkeit über die Häufigkeit von Verbrechen zu informieren – hier sind unsere Ergebnisse.“ Und vermutlich – und völlig berechtigt – ist genau dies die Motivation des Printberichts gewesen.

Ganz anders war die Motivation der Studenten angesichts der Aufgabenstellung im Rahmen der Lehrveranstaltung. Es ging ihnen um die Visualisierung von kriminalistischen Key Indicators des Wohnungseinbruchs wie Tatzeit, Tathäufigkeit, Wohnsitz in Relation zum Tatort und anderen vorhandenen Daten, die Muster aufweisen können und die Anlass zur Hypothesenbildung geben. Sie blieben dabei aber nicht stehen, sondern gingen darüber hinaus. Es ging ihnen auch darum, die Daten zum Erzählen zu bringen, sie erinnerbar zu machen, das Erschreckende an der Häufigkeit dieses Verbrechens und der geringen Aufklärungsquote erlebbar zu machen, das Thema in einen Bezug zum Nutzer zu stellen. Aus dieser Motivation heraus entstanden solche Ideen wie der Einbruchszähler, die Textboxen mit starker Betonung der numerischen Werte oder der hoch-interaktive Vergleich von Täterprofilen.

In der designerischen Bearbeitung der einfachen Datendarstellung hin zur informierenden Erzählung erkenne ich vier Methoden – man könnte sie auch Prinzipien nennen –  der Transformation der Datenpräsentation: Visualierung von Daten, Visual Storytelling, Data Exploration und Translation into the world of the user. Im folgenden werde ich diese Methoden anhand konkrete Abschnitte und Aspekte der Applikation „Wohnungseinbrüche in Deutschland“ beispielhaft darlegen.

Visualisierung von Daten

In der ursprünglichen Printdarstellung werden – nicht nur, aber vorwiegend – die Daten in Tabellenform dargestellt. Das Beispiel der Gesamtzahl der Wohnungseinbrüche in Deutschland in den Jahren 1999 – 2013 in Abb. 2:

Abbildung 2: Wohnungseinbrüche in Deutschland 1999 - 2013. Tabelle aus dem Printbericht [2, S.53]

Abb. 2: Wohnungseinbrüche in Deutschland 1999 – 2013. Tabelle aus dem Printbericht [2, S.53]

Diese tabellarische Darstellungsform hat bekannten Nachteile für die Verarbeitung der dargestellten Daten:

  • Alle Kategorien und Daten sind in der Bedeutung gleich gewichtet
  • Dadurch wird Wesentliches von Unwesentlichem nicht unterschieden
  • Bezüge zwischen den Werten, Muster der Werte, Minima, Maxima muss der Nutzer durch dediziertes Lesen und Vergleichen sich erarbeiten und das Erarbeitete sich merken
  • Abweichungen vom Durchschnittswerten, mögliche Korrelationen und Verteilungsmuster sind nur grob abschätzbar

Im Vergleich zur Tabelle das kombinierte Zeitreihendiagramm in Abb. 3, bestehend aus gestapelten Säulen mit einer Prozentlinie, dazu eine Textbox. Hier der Link zum entsprechenden Abschnitt der Applikation.

Abbildung 3: Wohnungseinbrüche in Deutschland 1999 - 2013. Chart mit dynamischer Legende, Screenshot aus der Webapplikation

Abb. 3: Wohnungseinbrüche in Deutschland 1999 – 2013. Chart mit dynamischer Legende, Screenshot aus der Webapplikation

Ziele und Maßnahmen der Umgestaltung der Datenpräsentation waren:

  • Nicht nur Daten darstellen, sondern aus den vorhandenen Daten Informationen schaffen
  • Informationen so hierarchisieren und verknüpfen, dass Wissen daraus werden kann.
  • Für den Erkenntnisvorgang Wesentliches herausstellen und leicht erfassbar zu präsentieren durch graphische Umsetzung numerischer Werte, d.h. durch Präsentation von Graphen, im englischen Sprachgebrauch üblicherweise „Charts“, im deutschen „Diagramme“ genannt.
  • Wesentlich ist in diesem Abschnitt das Erkennen von Mustern in der Zeitreihe, also die Relationen der drei Variablen Einbrüche, versuchte Einbrüche, Aufklärungsquote zueinander innerhalb eines Jahres und ihre Entwicklung über mehrere Jahre.
  • Die numerische Werte werden beim Hovern eines Datenpunktes in der rechten Textbox in einer hierarchisierten Textform dargestellt.

Die Datenvisualisierung ist ebenfalls Schwerpunkt meines zweiten Beispiels, dem Abschnitt, der die statistische Beziehung zwischen geographischer Lage der betroffenen Wohnung und dem Wohnsitz des Täters darlegt. Im Printbericht wirkt diese Information überschaubar:

Abbildung 4: Wohnsitze der Einbrecher in Beziehung zum Tatort (2013) - Tabelle. Screenshot aus dem Printbericht

Abb. 4: Wohnsitze der Einbrecher in Beziehung zum Tatort (2013) – Tabelle. Screenshot aus dem Printbericht. Quelle [2]

Der entsprechende Abschnitt in der Applikation besteht aus einer Kombination von Diagramm mit einer dynamischen Textbox.

Abbildung 5: Wohnsitze der Einbrecher in Beziehung zum Tatort (2013). Screenshot des interaktiven Diagramms.

Abb. 5: Wohnsitze der Einbrecher in Beziehung zum Tatort (2013). Screenshot des interaktiven Diagramms.

Die graphische Visualisierung mittels konzentrischer Kreise ist in der Kernidee klar und intuitiv erfassbar; ihr mangelt es jedoch an letzter Konsequenz, da weder Radien noch Flächen der verschiedenen Merkmalskreise die gegebenen Daten widerspiegeln. Eine gute Idee, die ausbaufähig ist.

Visual Storytelling

Ich habe einige Male erlebt, dass Visual Storytelling anfänglich so verstanden wird, als ob es darum ginge, passend zu den sachlichen Informationen eine Geschichte mit Akteuren, Orten und Handlungen sich auszudenken, in die dann die sachlichen Informationen eingebettet werden. Das ist nicht damit gemeint. Wenn ich dieses Verständnis anhand erster Ideenskizzen der Studenten erkenne, weise ich darauf hin, dass es nicht um eine Anreicherung mit weiteren Elementen geht, sondern um eine Reduzierung im Sinne einer Verdeutlichung. Visual Storytelling meint die graphische Inszenierung der Bedeutung von Informationen. Damit ist sie immer eine Interpretation und deshalb braucht es einen vorsichten und bewussten Einsatz dieses Prinzips.

Die Akteure des Visual Storytellings sind nicht erfundene Akteure, sondern die Daten. Um die Metapher der Inszenierung weiter zu führen: als Designer muss ich die Daten sprechen und agieren lassen. Das Layout ist ihr Bühnenbild, die Bühnenszenen sind die räumliche, interaktive oder/oder zeitliche Gliederung der Geschichte. Ihre Kostüme sind die graphische Ausprägungen, in dem die Daten auftreten: als beschriftete Zahlen, als Illustrationen der numerisch erfassten Kategorien, als Balkendiagramm oder auch als Tabelle …. Viele Kostüme sind möglich, aber es sind diejenigen zu wählen, die das Verständnis für den dargestellten Sachverhalt, für die Story, beim User am ehesten bewirken.

Die vorliegende Webapplikation weist keine breite Anwendung des Visual Storytelling auf. Lediglich im Abschnitt „Fakten“ werden stichwortartig Informationen mit Visuals verknüpft um schnell und pointiert zu kommunizieren: beispielsweise die überwiegende Anzahl an Einmaltätern oder den durch Einbrüche verursachten Schaden in Höhe von 427 Mrd. EUR allein im Jahr 2013.

Abbildung 6: Fakten zu Wohnungseinbrüchen. Quantitative Informationen kombiniert mit Visuals.

Abb. 6: Fakten zu Wohnungseinbrüchen. Quantitative Informationen kombiniert mit Visuals.

Data Exploration

In der Applikation bündelten die Studenten mehrere umfangreiche Tabellen des Printberichts in einem Tool, das dem Nutzer die Möglichkeit gibt, innerhalb der Datenmenge selber zu explorieren: nach bestimmten Kategorien zu sortieren, Teilmengen der Daten nach bestimmten Filterkriterien zu sichten usw. Im Abschnitt „Die Täter“ kann der Nutzer zwei unterschiedliche Tatprofile konfigurieren und miteinander vergleichen, indem er nach verschiedenen Attributen (männlich oder weiblich, verschiedene Altersklassen, Einbruchszeit Tag oder Nacht, Deutscher oder Nicht-Deutscher) filtert.

Abbildung 7: Konfiguration von zwei Tatprofilen und deren Häufigkeit 2013.

Abb. 7: Konfiguration von zwei Tatprofilen und deren Häufigkeit 2013.

Die im Screenshot gewählte Konfiguration vergleicht die Anzahl von Einbrüchen tags mit nachts, begangen von Einbrechern beiderlei Geschlechts in der Altersgruppe zwischen 18 – 50 Jahre.

<Hinweis> Der Unterschied zwischen Tag und Nacht scheint nicht sehr groß zu sein. Der Blick in die 2015 publizierte Studie des GKV [Quelle 3] deutet aber darauf hin, dass eine präzisiere Datenerhebung sehr wohl präferierte Einbruchszeiten gibt – und zwar sowohl was die Monate betrifft wie auch die Uhrzeiten. Dies zeigt zum einen, dass zum Zwecke des Erkenntnisgewinns und für Schlußfolgerungen die Nutzung mehrere Datenquellen erforderlich ist und dass die Granularität der Daten maßgeblich auch die Möglichkeit seriöser Hypothesenbildung beeinflusst. </Hinweis>

Übersetzung in die Alltagswelt des Nutzers

Diese Methode zielt darauf ab, einen Bezug zur Welt und Umgebung des Nutzers schaffen. Ein überaus gelungenes Beispiel stellt die Webseite US Federal Budget Visualized dar, die das Billionen Dollar umfassende Budget der USA als Stapel von Geldmengen bildhaft darstellt und sie in Relation zu bekannten Dingen wie Sofas, Autos, Häusern und Wolkenkratzern setzt. Beeindruckend!

Im vorliegenden Fall blieben die Studenten näher am Boden: Es ging Ihnen darum, dass der Printbericht die Gesamtzahl von 149.500 Einbrüchen in Deutschland schlicht konstatiert. Wie lässt sich diese große Zahl dem einzelnen Nutzer nahebringen, fragten sich die Studenten. Die Antwort kam mittels einer kurzen Rechnung, nach der durchschnittlich jede dreieinhalb Minuten ein Einbruch begangen wurde. Von dort aus war es nicht weit zur Idee des „Einbruchs-Counters“, der die durchschnittliche Zahl der Einbrüche in der Zeit zählt, während sich der User mit der Applikation beschäftigt. Aus abstrakten großen Zahlen werden konkrete Bezüge in die Alltagswelt des Nutzers nicht nur benannt, sondern erlebbar gemacht.

Die textuelle Informationsform im Printbericht:

Abb. 8: Zentraler KPI-Wert

Abb. 8: Zentraler KPI-Wert „Gesamtzahl der Wohnungseinbrüche“ in der nüchternen Textform des Printberichtes.

Im interaktiven Informationsdesign wurde daraus folgende Form:

Abb. 9: Zentraler KPI-Wert, im Informationsdesign übersetzt in die Erlebniswelt des Nutzers.

Abb. 9: Zentraler KPI-Wert, im Informationsdesign übersetzt in die Erlebniswelt des Nutzers.

Insgesamt nutzt die Webapplikation „Wohnungseinbrüche in Deutschland“ alle der vier o.g. Methoden, um interaktives und den User involvierendes Informationsdesign zu erzielen. Diese Methoden wurden in unterschiedlicher Qualität und Intensität verwendet: Visualisierung der Daten häufig und deutlich, Visual Storytelling in geringem Maße.

Wohnungseinbrüche in Deutschland: Zahlen und ihre Hintergründe

Die Beschäftigung mit den Zahlen hat über die designerischer Aufgabenstellung hinaus auch tiefere Neugier, Fragestellungen und durchaus auch Betroffenheit zum Thema ausgelöst – sowohl beim Dozenten wie auch bei der studentischen Arbeitsgruppe. So stellte sich beispielsweise für die Beteiligten die Frage, wie es denn zu erklären sei, dass NRW dasjenige Bundesland ist, das 2013 mit 313 Einbrüchen pro 100.00 Einwohnern nach Bremen, Hamburg und Berlin die höchste Einbruchsquote aufweist. Wir hatten dabei Medienberichte im Hinterkopf, in denen über ausländische Einbrechergruppen vorwiegend aus dem osteuropäischen Raum berichtet wurde. Nach unserer Vorstellung wäre die logische Konsequenz, dass Bundesländer wie Bayern, Thüringen oder Sachsen als östlich gelegene Bundesländer die höchsten Einbruchsraten aufweisen. Und nach der Datenlage waren sie es nun mal nicht. Wie geht das zusammen?

Nun, zuerst einmal können wir unsere empirische Basis verbreitern, da seit der Lehrveranstaltung die entsprechenden Zahlen aus dem Jahre 2014 veröffentlich wurden. Daraus hat die GKV eine Graphik erstellt, die zwar illustrativ etwas überzogen, aber dennoch sachlich richtig die geographische Verteilung der Quoten für Wohnungseinbrüche darstellt:

Abb. 10: Wohnungseinbrüche 2014 - Verteilung nach Bundesländern [Quelle 3]

Abb. 10: Wohnungseinbrüche 2014 – Verteilung nach Bundesländern [Quelle 3]

Wir ersehen daraus, dass auch 2014 NRW nach den beiden Stadtstaaten und Berlin immer noch die mit Abstand höchsten Einbruchsquoten aufweist. Insbesondere das Ruhrgebiet mit seiner dichten städtischen Bebauung bildet geradezu einen Hotspot der Einbrüche.

Ich habe in einer umfangreichen Reportage über Opfer und Täter in Krefeld Zusammenhänge gefunden, die erklären, weshalb gerade Städte im Ruhrgebiet diesen Hotspot bilden:

 „So wie Victor H. in vielem typisch für die Diebe aus Osteuropa ist, so sind die W.s typisch für deren Opfer. Von Krefeld aus kann das strebsame Kleinbürgertum zügig die Betriebe des Ballungsraums an Rhein und Ruhr ansteuern, mit der Bahn oder mit dem Auto über die B 57 und die A 44. Doch während das Kleinbürgertum in Büros, Geschäften und Fabriken am Erhalt seines Besitzes und an seinem Aufstieg arbeitet und die Kinder in der Schule sind, pendeln die Diebe über dieselben Verkehrsadern in die tags verwaisten Wohnquartiere ein. Das dichte Netz aus Autobahnen und Schnellstraßen an Rhein und Ruhr ist perfekt für die Flucht. Darum kommen die Einbrecher nach Marl und Gelsenkirchen, nach Monheim und Bad Godesberg, nach Leverkusen, Recklinghausen, Mülheim an der Ruhr. Eine Klauhochburg liegt hier neben der anderen.

54.000 der knapp 150.000 Einbrüche des Jahres 2013 in Deutschland geschahen allein in Nordrhein-Westfalen. Insgesamt gab es in ganz Deutschland fast 50.000 mehr solcher Delikte als noch 2006 – ein Anstieg um ein Drittel. Statistisch gesehen erwischt es nun alle dreieinhalb Minuten jemanden. Nur wen, ist unberechenbar. Die Diebe aus Osteuropa, sagt der Polizist Uwe Laußmann, spähten ihre Opfer nicht groß aus. „Die fahren von der Autobahn runter, biegen zwei-, dreimal ab und legen los.“ [Quelle 4]

Noch einige Literaturhinweise zum fachlichen Thema Wohnungseinbrüche:

Ich empfehle die Reportage „Auf Raubzug in Krefeld“ allen Interessierten. Hier geht nur nebenbei um quantitative Dimensionen dieses Delikts. Im Fokus dieser Reportage stehen vor allem Einsichten in Umstände, Motivationen und gesellschaftliche Randbedingungen am Beispiel konkreter Menschen.

Die neuen Zahlen zu den Wohnungseinbrüchen für 2014 gibt es in der Polizeilichen Kriminalstatistik 2014. Der Artikel „Gelegenheit und Drogensucht machen Diebe“  in der FAZ vom April 2015 interpretiert die damals neu veröffentlichten Statistiken von 2014.

Eine kürzlich erschienene Studie GDV Einbruch-Report 2015 des Kriminologischen Instituts Niedersachsens [Quelle 3] beschäftigt sich ebenfalls mit Wohnungseinbrüchen; dabei aber schwerpunktmäßig aus der Perspektive der Opfer. Interessant finde ich vor allem der der Studie zugrunde liegende Perspektivwechsel, der nach den emotionalen Folgen für die Betroffenen und geändertem Verhalten und emotionalem Bezug zur Wohnung fragt.

Quellen

[1] Flaig, Henriks, Müller, Rascher: Wohnungseinbrüche in Deutschland. Arbeit im Rahmen der Lehrveranstaltung Multimediales Informationsdesign 2014/15, Fachbereich Online Medien an der DHBW Mosbach.

[2] Bundesministerium des Innern: Polizeiliche Kriminalstatistik 2013, Kap. 9 Thema aktuell: Wohnungseinbruchdiebstahl , S. 53 – 59.

[3] GKV: Mehr Schutz für den privaten Lebensraum. Einbruch-Report 2015 der Deutschen Versicherungswirtschaft, Berlin 2015

[4] Kowitz, Dorit: Auf Raubzug in Krefeld, in Die Zeit 9/2015

From → Allgemein

Schreibe einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: